Jakobsweg 2013

Wir sind da!

Nach 220km und elf Tagen laufen sind wir heute gegen 15.45 Uhr in Santiago de Compostela angekommen! Nach 23km heute waren wir etwas geschafft, aber überglüclich! Eigentlich heißt es, man kann ganz oft den Jakobsweg laufen, aber nur einmal in Santiago ankommen. Nun, ich bin heute angekommen, aber so richtig. Mit Tränen der Freude und Erleichterung! Es waren elf teils sehr harte Tage. Und gerade die vergangenen drei hatte ich ein kleines mentales Tief. Aber die Menschen auf unserem Weg, die mit uns Schlafsaal, Frühstück oder Abendessen geteilt haben, haben vieles davon wieder wettgemacht. So haben sie mit uns auch gestern unseren ersten Hochzeitstag gefeiert und uns einen ganz tollen Abend beschert.
Morgen nehmen wir uns viel Zeit für Santiago und gehen mittags in die Pilgermesse.
Und wer denkt, Ulli und Daniel hätten sich nen netten Urlaub im sonnigen Süden gemacht: Wir sind heute morgen bei 2Grad losgelaufen!

3 Kommentare 20.5.13 18:01, kommentieren

Ein Pilgertag

Heute war für mich der erste richtige Pilgertag. Auch wenn ich mich auf den Pausentag gefreut hatte, so machte das Laufen heute dennoch Spaß. Wir sind über die Grenze nach Tui in Spanien gelaufen, haben die Kathedrale besucht und uns Stempel geben lassen. Sind ein paar Kilometer durch einen schönen Eukalyptuswald gelaufen (von dene gibts hier viele, die wachsen schnell und werden in der Papier- und Holzindustrie verwendet) und entlang eines schönen Bachlaufes. Aber auch rund 4km durch ein Industriegebiet gehören zum Pilgeralltag (davon 2,6km geradeaus!). Ich hab den unansehnlichen Abschnitt genutzt, um in mich zu gehen. Ergebnis waren ein paar gute Ideen zum schreiben.
Meine körperlichen Gebrechen habe ich langsam im Griff, auch wenn mich meine Füße täglich mit neuen Wehwehchen überraschen. Aber das hält uns nicht auf (Daniel hat auch so seine Probleme).
Was den heutigen Tag aber wirklich zum Tag eines Pilgers macht, sind die Begegnungen. Da ist John, der Australier, der nahe der Great Ocean Road lebt. Und trotzdem 6 Monate im Jahr durch die Weltgeschichte reist. Da ist Muriel, die Kanadierin, die vor einigen Jahren etwas ähnliches wie Kinderlähmung hatte. Sie war auf eine. Rollstuhl angewiesen und konnte kaum lesen. Jetzt läuft sie täglich 15km! Da ist Leah, auch Kanadierin, deren Cousinen eine seltenen Nervenkrankheit haben. Sie läuft, um Spenden zu sammeln und über diese Krankheit zu informieren. Da ist Hans-Jürgen, ein deutscher katholischer Pfarrer in Rente, der gutes Essen liebt und schon viele Jakobswege gegangen ist. Und da sind die unzäligen Herbergsväter und -mütter, die Tag für Tag wildfremden Menschen ein Dach über dem Kopf bieten, ihre Freizeit opfern, um den Pilgern zu sagen, wo sie schlafen, duschen, essen und ihre Wäsche waschen können. Hier ist soviel Nächstenliebe. Ganz allgemein, ihr wisst ja, ich bin nicht religiös. An Tagen wie diesen bin ich einfach beeindruckt und dankbar.

2 Kommentare 15.5.13 22:48, kommentieren

Valença - Tag 5

Portugal weint, weil wir es morgen verlassen! Sind heute bei Sonnenschein in Valença angekommen, doch jetzt regnet es. Und es soll die nächsten Tage weiterregnen. Portugal hat uns beiden gut gefallen. Die Leute waren sehr freundlich. Das Essen ist sehr herzhaft (die lieben hier Innereien und essen gern gebratene Blutwurst). Die
Region ist sehr landwirtschaftlich geprägt, aber das sind alles kleine Betriebe. Und Wein gibts natürlich auch. Etwas zuschaffen gemacht hat uns der Hang zum Kopfsteinpflaster.
Morgen geht es über die Grenze nach Tui in Spanien. Dort haben wir dann exakt die Hälfte unseres Weges geschafft. Dann sind es noch 109km bis nach Santiago. Vielleicht finden wir dort auch endlich einen Computer mit Internet. Vom Handy aus zu schreiben ist doch etwas mühsam.

15.5.13 00:22, kommentieren

Was für ein Tag - Teil 3

Mit viel Aua ging es heute los. Aber mit Willen und Zusammenhalt sind wir ans Ziel gekommen. Meine Weisheit des Tages bewies sich dabei als prophetisch. "Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft." Wir haben es heute morgen selbst kaum für möglich gehalten, nochmals 24km zu laufen. Aber wir haben es geschafft.
Und unterwegs ist uns noch eine Jakobsweg-Weisheit bewusst geworden: Es geht nicht darum anzukommen. Es geht darum zu laufen. Der Weg ist das Ziel.

Als Belohnung fürs Weiterlaufen gab es leckeres Essen. Und anschließend sind wir im Sonnenuntergang zu Frank Sinatra über die mittelalterliche Brücke getanzt. Denn die Straßenlaternen hier haben Lautsprecher.

Ich würd gern mehr schreiben. Aber wir haben hier kein Internet und ich mach das übers Handy. Also gute Nacht!

12.5.13 22:51, kommentieren

Kirche auf Portugiesisch

Heute 24 Kilometer gelaufen. Um die zu beschreiben, reicht ein einziges Wort: aua! Nähere mich immernoch der Wahrheit hinter dem Spruch "Der äußere Schmerz ist nur Ausdruck eines inneren Schmerzes". Aber solange wir zusammengehen und Daniel bei mir ist, ist aller Schmerz erträglich.

Und außerdem wurden wir mit diesem Ausblick nach nebenan eben belohnt. Gleich kommt die Prozession.

11.5.13 22:20, kommentieren