Ein Pilgertag

Heute war für mich der erste richtige Pilgertag. Auch wenn ich mich auf den Pausentag gefreut hatte, so machte das Laufen heute dennoch Spaß. Wir sind über die Grenze nach Tui in Spanien gelaufen, haben die Kathedrale besucht und uns Stempel geben lassen. Sind ein paar Kilometer durch einen schönen Eukalyptuswald gelaufen (von dene gibts hier viele, die wachsen schnell und werden in der Papier- und Holzindustrie verwendet) und entlang eines schönen Bachlaufes. Aber auch rund 4km durch ein Industriegebiet gehören zum Pilgeralltag (davon 2,6km geradeaus!). Ich hab den unansehnlichen Abschnitt genutzt, um in mich zu gehen. Ergebnis waren ein paar gute Ideen zum schreiben.
Meine körperlichen Gebrechen habe ich langsam im Griff, auch wenn mich meine Füße täglich mit neuen Wehwehchen überraschen. Aber das hält uns nicht auf (Daniel hat auch so seine Probleme).
Was den heutigen Tag aber wirklich zum Tag eines Pilgers macht, sind die Begegnungen. Da ist John, der Australier, der nahe der Great Ocean Road lebt. Und trotzdem 6 Monate im Jahr durch die Weltgeschichte reist. Da ist Muriel, die Kanadierin, die vor einigen Jahren etwas ähnliches wie Kinderlähmung hatte. Sie war auf eine. Rollstuhl angewiesen und konnte kaum lesen. Jetzt läuft sie täglich 15km! Da ist Leah, auch Kanadierin, deren Cousinen eine seltenen Nervenkrankheit haben. Sie läuft, um Spenden zu sammeln und über diese Krankheit zu informieren. Da ist Hans-Jürgen, ein deutscher katholischer Pfarrer in Rente, der gutes Essen liebt und schon viele Jakobswege gegangen ist. Und da sind die unzäligen Herbergsväter und -mütter, die Tag für Tag wildfremden Menschen ein Dach über dem Kopf bieten, ihre Freizeit opfern, um den Pilgern zu sagen, wo sie schlafen, duschen, essen und ihre Wäsche waschen können. Hier ist soviel Nächstenliebe. Ganz allgemein, ihr wisst ja, ich bin nicht religiös. An Tagen wie diesen bin ich einfach beeindruckt und dankbar.

15.5.13 22:48

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jule (20.5.13 17:47)
Hi ihr zwei,

wie schon vor zwei Jahren finde ich es einfach unglaublich, wie du, Uli, diesen Weg nochmal laufen kannst, obwohl du weißt, wie weh das tut. Umso mehr freue ich mich, dass du diese besondere Erfahrung nun noch einmal zusammen mit Daniel erleben kannst. Haltet durch! Ihr schafft das. Die paar Kilometer noch, das wird doch ein Klax. Wirklich spannend, was ihr für Leute trefft und vor allem, was die für Gründe haben zu Laufen.

Herzliche Grüße aus Berlin!

PS: Alles Liebe nachträglich zum 1. Hochzeitstag!


Ulli (20.5.13 18:05)
Danke Jule! Wir hatten einen tollen Abend mit diesen besonderen Menschen! Und natürlich mit gutem Essen!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen