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Wir sind wieder unterwegs

Morgen fliegen wir nach Santiago, von dort geht es weiter nach Caceres, wo wir am Samstag losfahren - also wirklich in die Pedale treten.
Unterwegs sind wir auf der Via de la Plata, auch einem Jakobsweg. Was uns erwartet, wissen wir noch nicht so wirklich. Aber es wird bestimmt anstrengend und wundervoll!

So oft, wie es geht, schreib ich euch wieder!

16.4.14 22:29, kommentieren

Die Unfähigkeit, sich zu reduzieren

Wow, welch ein Titel! Der spukte mir schon im Kopf rum, seit wir für die Via de la Plata gepackt haben. Jeder zwei Radtaschen, das klingt nicht viel. Wenn man aber die Hälfte seiner Klamotten eh am Leib trägt, passt da doch viel rein. Also, was mitnehmen und was da lassen? Auf was kann man getrost verzichten, was ist erwünschter Luxus und was ist unbedingt notwendig? Was ist nur unnötiger Ballast und was erleichtert einem die Strapazen?

Im Grunde ist das wie mit dem Schreibtisch. Wenn du das Gefühl hast, du musst deine Leben mal wieder in Ordnung bringen, dann räum als erstes deinen Schreibtisch auf.

Wenn du das Gefühl hast, in deinem Leben passiert grad zu viel durcheinander, du kennst die Richtung nicht mehr, in die dein Leben steuern soll, oder du suchst die Antwort auf eine andere existenzielle Frage in deinem Leben und gehst deshalb auf den Jakobsweg, dann ist entrümpeln der erste Schritt. Und der fängt beim Gepäck an. Doch wie auch beim Schreibtisch-Vergleich ist der äußere erste Schritt nur der Beginn für den inneren ersten Schritt. Du lässt die Gedanken an die Arbeit zurück, an die Pflichten, die zuhause warten, die Freunde, die dich unbedingt mal wieder treffen wollen.

Doch das emotionale Entrümpeln, das Reduzieren von Pflicht- und Schuldgefühl, ist gar nicht so leicht. Selbst wenn man es aktiv angeht.

Je weiter der Weg dich führt, umso mehr schüttelst du davon ab, bis du irgendwann beim Kern angekommen bist. Beim Kern der Probleme ,die dich im Moment belasten. Bei der Richtung, in die dein Leben eigentlich verlaufen soll. Bei den Dingen, die dir wirklich wichtig sind, bei allen Pflichten und Verpflichtungen aber zu kurz kommen.

Vor zwei Tagen haben wir eine deutsche Pilgerin getroffen, eine Rentnerin aus NRW. Nur das Nötigste auf den Jakobsweg mitzunehmen mache ihr keine Probleme. "Zuhause habe ich doch alles", meinte sie. Aber haben wir manchmal nicht zuviel von allem daheim? Zeigt der Jakobsweg uns nicht im Grunde, dass wir auch mit viel weniger prima klarkommen?

2 Kommentare 21.4.14 18:02, kommentieren

Kein Jakobsweg und dann doch wieder

Auch wenn die Via de la Plata auch ein Jakobsweg ist (aber schon viel laenger eine Roemerstrasse), so sind wir eigentlich nicht mit dem Ziel hierher gekommen, einen "Jakobsweg zu machen". Wir hatten eher etwas wie unseren jaehrlichen Aktivurlaub im Sinn. So, wie wir schon in Cornwall oder der Provence radfahren gewesen sind.

Aber natuerlich ist der Jakobsweg fuer uns etwas besonderes. Und so beschlossen wir, auch hier auf der Via de la Plata in den Pilgerherbergen zu uebernachten. Mit allem was dazu gehoert. Das Bangen, auch ja noch einen Platz zu ergattern. Dusche und Toilette mit einem Dutzend anderer zu teilen. Mit Ohrstoepseln zu schlafen im Schlafsack. Und so weiter.

Aber als Fahrradpilger bist du eben kein richtiger Pilger. Der Weg verlangt dir viel Konzentration und Fahrgeschick ab. Du hast kaum einmal Zeit, dich auf dich selbst zu besinnen. Und wenn, dann zaehlt jeder Gedanke, diesen Berg da gerade hochzustrampeln.

Und dennoch hat sich heute bei uns so etwas wie Camino-Gefuehl eingestellt. Wir haben gestern ein paar Pilger aus Alaska kennengelernt. Wir haben mit zwei Hollaendern ueber gelacht und darueber debattiert, wer nun der Bessere im Fussball, Hockey und Eisschnellauf ist (die Hollaender haben wir nur beim Eisschnelllauf gewinnen lassen ;-) ). Wir haben heute in Hervas einen Deutsch-Spanier getroffen, der uns herumgefuehrt und ein paar tolle Bars gezeigt hat, der uns ueber die Stadt und die Menschen hier erzaehlt hat. Der Hospitalero unserer Herberge ist so zuvorkommend gewesen heute.

Vielleicht kommen wir ja so langsam rein in unseren Jakobsweg. Geplant ist auf jeden Fall, morgen in einer Herberge zu uebernachten, die von einem Pfarrer gefuehrt wird. Am Mittwoch dann wollen wir in Salamanca ankommen.

Fuer alle, die unsere Route interessiert: Wir sind am Samstag in Cáceres gestartet und radeln jetzt seit drei Tagen. Die ersten beiden Tage haben wir jeweils um die 53km geschafft. Heute jedoch nur 36. Zum einen waren wir sehr platt. Denn mehr als die Haelfte jeder Strecke geht ueber Trampelpfade auf Weiden und die legt man auch mit dem Rad nicht gerade schnell und kraftschonend zurueck. Zum anderen hat es heute Nacht und am Morgen geregnet. Die Weidewege waren somit auch noch sehr matschig und das war echt eine Qual. Deshalb haben wir kurzfristig beschlossen, uns Hervas nicht nur anzugucken, sondern auch hier zu bleiben.

Unseren Raedern haben wir zur Feier des Tages ein Bad in der Autowaschanlage gegoennt, das hatten sie auch dringend noetig. Bisher hatten wir mit dem Wetter eher Glueck. Am Freitag, als wir nach Caceres fuhren, waren es 31 Grad. Am Samstag dann bewoelkt und nur 17 Grad, gestern sonnig, aber auch nur maximal 23 Grad. Bestes Wetter zum Radfahren also. Sonnenbrand hab ich natuerlich auch schon, trotz eincremen.

Ich hoffe, ihr hattet alle ein schoenes Osterfest. Wir auch! Mit Prozessionen und allem drum und dran! Buenas noches!

22.4.14 00:28, kommentieren

Spanien im Sommer

Tja ,ich glaube, um das Wetter in Spanien muss uns im Moment keiner beneiden. Wolken, eisiger Wind und nachmittags kaum 16 Grad. Wir frieren wie bekloppt! So sehr, dass ich mir schon einen Schal, lange Strümpfe und eine wind- und wasserabweisende Hose gekauft habe und Daniel einen dicken Pulli. Wir haben echt Angst, krank zu werden. Dabei war so schönes Wetter, bevor wir unseren Jakobsweg angefangen haben.

Morgen fahren wir nach Zamora. Ingesamt stehen uns noch 8 Fahrtage bevor. Und die letzten davon werden steil.

Gestern sind wir in Salamanca angekommen und heute geblieben, um uns die Stadt anzusehen. Salamanca ist wirklich sehenswert! Heute war eine große Studentenparty, zu der die Studenten alle in Kostümen gekommen sind. Mitten in der Stadt!

Seit gestern sind wir auch in Kastillien. Vorher in der Extremadura ,die wirklich wunderschön ist! Ich poste morgen mal Fotos, wenn es klappt.

24.4.14 23:11, kommentieren

Nach dem Regen kommt Sonnenschein

So, endlich nach vielen Tagen mal wieder ein PC zum Schreiben! Das muss ich gleich mal nutzen!

Wo fang ich an? Wir sind heute 72km gefahren und in Pueblo de Sanabria angekommen (wer es mal googeln will, hier gibt es ein schoenes Landschaftsschutzgebiet in der Naehe, den Lago de Sanabria). Aber auch Pueblo ist sehr schoen, es gibt hier ne tolle Burg, die aber leider ueber 220 Stufen zu erklimmen ist.

Wir mussten heute so viel fahren, um in den Bergen, die in Galicien bald kommen, genug Zeit zu haben. Wir sind heute und gestern sehr viel ueber die Nationalstrasse gefahren. Heute etwa 55 Kilometer und gestern 31. Wir haben sozusagen ein Stueck vom Jakobsweg abgekuerzt, auch wenn uns das sehr leid tat.

Nach der wunderschoenen Extremadura mit ihren riesigen Weiden fuer Rinder, Schafe und Schweine (ich sage nur Jamon Iberico), die von alten Steinmauern eingezaeunt und unzaehligen Eichen (fuer die Schweine und fuer Weinkorken) beschattet wurden, erschien uns Kastillien & Leon zunaechst etwas eintoenig. Nur Felder, keine Baeume, viel unansehnliche Landwirtschaft. Aber das war wohl nur das Stueck zwischen Salamanca und Zamora (beides uebrigens tolle Staedte, Zamora gefiel uns bisher am Besten!).

Bisher sind wir nur auf die Berge zugefahren, jetzt sind wir langsam mittendrin. Morgen kommt der erste schlimme Aufstieg, dann fast jeden Tag mindestens ein weiterer. Aber nun gut, wir wollten das ja so

So, was noch? Ach ja der Regen. Der ist woertlich zu nehmen. Sind gestern in einen schlimmen Wasserfall vom Himmel geraten und knapp eine Stunde darin gefahren. Deshalb haben wir auch nach 43km schon aufgehoert und sind nicht weitergefahren (weshalb wir heute erneut die Abuerzung nehmen mussten). Oh, wir hatten so die Nase voll!

Aber dann kamen wir in der Herberge von Tabara an. Und es wurde ein toller Nachmittag und Abend. Die Jakobusgesellschaft dort versucht, eine Herberge alter Pilgertradition aufzubauen. Es gibt gemeinsames Abendessen, hinterher geselliges Beisammensein (alle Journalisten bei der Formulierung weghoeren) und morgens auch gemeinsames Fruehstueck. Dazu waren wir auch ne tolle Truppe. Iren, Franzosen, wir Deutsche sowie ein spanischer Hospitalero (der schon mehrere Buecher ueber den Camino geschrieben hat) und eine schwedische Hospitalera.

Jose, der Hospitalero, hat uns so kleine Schildchen mit Sinnspruechen darauf geschenkt. Meiner hie': "The power of mind doesn't know the word 'impossible'." Tja wie passend!

Nach dem ich in den ersten Camino-Tagen ein wenig mit meiner Urlaubsentscheidung gehadert habe, haette ich am Freitag fast aufhoeren muessen. Mein Oberschenkel tat beim in die Pedale treten so weh, dass ich nicht weiterfahren konnte und die letzten 30km nach Zamora mit dem Bus gefahren bin (Daniel ist brav weiter geradelt, haette aber im Nachhinein doch lieber den Bus genommen). Ich dachte wirklich, das war?s jetzt. Doch am naechsten Morgen war alles wieder gut und auch die anschliessende Fahrt ging ohne Probleme.

Probleme haben wir im Moment eher technischer Natur. Mir ist heute die Kamera runtergefallen - geht nicht mehr Und Daniel ist eine Speiche am Hinterrad kaputt gegangen. Wir muessen jetzt schauen, wie wir das hinkriegen. Im schlimmsten Fall heisst es aber nur: Strasse statt Camino. Aber wie heisst es auch so schoen: Der Weg ist das Ziel. Wir radeln weiter. Und hoffen weiter auf schoeneres Wetter und vor allem weniger Wind! Heute fuehlte sich das teilweise wie Rueckwaertsfahren an Buon Camino!

27.4.14 22:43, kommentieren