Archiv

Ich bin dann mal weg . . .

So, morgen geht es los. Um 9.55 Uhr soll das Flugzeug nach Santander abheben und anschließend bringt mich der Bus nach Bilbao.

Rucksack ist zu 90 Prozent gepackt, jetzt geht es nur noch um Kleinigkeiten. Ist aber schon gut gefüllt und entsprechend gewichtig. Kaum zu glauben, dass man einerseits vier Wochen lang nur aus dem Rucksack leben kann, dieser andererseits dann doch so schwer ist, obwohl gar nicht so viel drin ist.

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, was mich in den nächsten vier Wochen erwartet. Ab und zu werde ich hier schrieben, wie es so "geht", welche Orte ich passiere, wie das Wanderer- und Herbergsleben so ist.

Also wünscht mir einen Buon Camino!

2 Kommentare 4.4.11 16:47, kommentieren

Bienvenido a Bilbo

Ja richtig, da steht Bilbo. Das ist der baskische Name für Bilbao, wo ich vor ungefähr einer Stunde angekommen bin. Alles ist hier Bilbo. Also echt was für Herr der Ringe Fans :-)
Der Flug war ok, habe da auch schon die ersten Pilger kennengelernt, Heidi und Gisela, zwei Rentnerinnen. Nachher werd ich mir noch die Altstadt ansehen und morgen dann das Guggenheim. Wandern geht es dann ab Freitag.

Bon Camino!

PS: Das ist mein Zimmergenosse im Hostel :-)

1 Kommentar 5.4.11 17:18, kommentieren

Wunder der Technik

Da es diese Wunder der Technik names Smartphones und WLan gibt, kann ich euch heute das zeigen!

2 Kommentare 6.4.11 14:30, kommentieren

Verschlafen

Da hat es der Sandmann aber gut mit mir gemeint! Bin erst gegen 10.15 Uhr heute aufgewacht. Da der nette schnarchende Spanier heute wieder in meinen Zimmer war, hab ich mir die Ohropax in die Oehrchen gestopft. Da es hier aber wie bereits berichtet unheimlich warm ist, konnte ich lange nicht einschlafen. Erst spaet in der Nacht wurde es kuehler und da hab ich dann geschlafen wie ein Stein.
Mit der Folge, dass ich den Bus, der um 11 Uhr fahren sollte, nicht mehr schaffen konnte. Naja, keine Katastrophe, da musste ich eben umplanen. Hab erstmal gemuetlich gefruehstueckt und fahre jetzt eben erst um 15 Uhr.
Vorhin habe ich noch ein paar Sachen zur Post gebracht. Mein Rucksack war einfach etwas zu schwer. Und da es jetzt nicht mehr so kalt ist, hab ich halt ein paar Sachen aussortiert. Falls es immernoch zuviel sein sollte, dann fliegt eben noch mehr raus. Dann gibt es eben kein Rei in der Tube mehr, dann werden die Klamotten eben mit Shampoo gewaschen ;-)
Scherz, also viel mehr geht wirklich nicht.

Ich weiss nicht, wie es ab heute Abend in Burgos und dann weiter auf dem Camino mit Internet aussieht und wie ich dann hier schreiben kann. Meine Handyfotos kann ich leider nicht kleiner machen, ich hoffe, das stoert euch nicht so. Zum Abschied aus Bilbao (die Stadt kann ich fuer einen Staedteausflug nur empfehlen) hab ich euch noch ein schoenes Foto ausgesucht, diesmal mit der Kamera gemacht.

Und bitte schreibt mir doch auch mal was Schoenes!!!!!

2 Kommentare 7.4.11 13:50, kommentieren

Die neuen Leiden der jungen U.

Da bin ich wieder! Und ratet mal wo! Im Kloster!

Der vierte Tag meiner Wanderung hat mich in ein kleines Staedtchen namens Carrion de los Condes gefuehrt. Und zwei der drei Hergbergen hier sind in Kloestern. Ist aber sehr gut hier, es gibt naemlich Internet. Das gab es auf allen Etappen vorher nicht. Leider kein Wlan fuers Handy und kein Lesegeraet fuer die Speicherkarte, deshalb erstmal ohne Foto.

Tag Nummer vier habe ich mittlerweile ueberstanden und bin insgesamt 88 Kilometer gelaufen. 21, 21, 26 und 20 Kilometer. Meinem Ruecken geht es soweit gut, auch Blasen hab ich noch keine (toitoitoi) bis auf eine geroetete kleine Zehe. Koennte also alles paletti sein? Von wegen! Mein groesstes Problem sind meine Fuesse, genauer meine Fusssohlen. Die kommen mit der Last des Rucksacks nicht sher gut klar und tun mir ab etwa 10-12 Kilometerns weh. Das war die ersten drei Tage ziemlich heftig. Die 26 Kilometer gestern waren eine wahnsinnige Willensanstrengung. Heute ging es schon etwas besser. Gemerkt habe ich die Fuesse schon, aber nicht mehr so stark oder so stark erst kurz vorm Ziel. Ein paar muskulaere Probleme habe ich auch, aber die hat wohl jeder Wanderer. Man braucht hier naemlich Muskeln, die man sonst nicht so trainiert. Quadriceps, Gesaessmuskulatur, Ruecken, das passt alles. bergauf habe ich ueberhaupt keine Probleme und bin sogar recht schnell. Aber gerade die seitlich am Oberschenkel verlaufenden Muskeln werden durch das Rucksackgewicht extrem beansprucht (Stichwort: ausbalancieren), das tut schon schoen weh. Ich habe mir vor 2 Tage so eine Muskelcreme gekauft und rieche jetzt wie ein Erkaeltungsbad auf zwei Beinen. Geimeinsam die Wunden und Wehwehchen zu pflegen, gehoert unter den Pilgern aber dazu. Jeder hat hier das gleiche Los. Bei dem einen sind es die Fuesse, bei dem anderen die Waden, der Ruecken, die Sonne ....
Jeder hat da sein Paeckchen zu tragen und ich habe noch keinen getroffen, der keine koerperlichen Probleme hat. Aber jeder kuemmert sich da drum, man gibt sich gegenseitig Tipps, das ist Teil des Pilgeralltags.

Es wird besser. Darauf hoffe ich und das sagt mir jeder, der schon laenger unterwegs ist. Und heute habe ich das ach ein wenig gemerkt.
Gestern habe ich gegen den Schmerz gekaempft. Erst mit Ignorieren, dann mit Singen, dann mit Einreden, Ablenken. Aber das ist nicht die Loesung. Wenn ich den ganzen Weg schaffen will, dann muss ich mich gut um mich kuemmern. Das heisst Viele kleine Pausen machen, Fuesse hochlegen, kalte Fuessbaeder, viel eincremen.

Ich glaube, viele, die hier unterwegs sind, kennen sich und ihren Koerper nicht sehr gut. Sie laufen zu lang und zu viel und sind unzufrieden, wenn ihr Koerper nicht das macht, was sie von ihm wollen. So wie ich die ersten drei Tage. Ich habe gedacht, ich schaffe mehr Kilometer. Ich dachte, die zwei Mal 21 Kilometer zum Eingewoehnen schaffe ich mit links und danach geht es an groessere Etappen. Aber die ersten beiden Tage waren eine richtige Qual. Das ungewohnte Gewicht, die Sonne, die Hitze, kein Schatten, ein paar Anstiege, die Fuesse, die Muskeln. Das prasselte so auf mich ein. Und das geht nur langsam voran, dass ich damit zurechtkomme. Aber dann ist das eben so. Dann faellt mir das eben schwer, das diesmal ganz alleine zu machen und zu schaffen, ohne jemanden, der mich da durchpusht.

Ich habe genug Zeit. Und wenn ich jeden Tag nur 20 Kilometer gehe, das reicht voellig aus, um rechtzeitig zu meinem Rueckflug in Santiago de Compostela zu sein. Ich muss mich nicht hetzen. Ich muss nicht so hohe Anforderungen an mich stellen. Es reciht, wenn ich das tue, was ich schaffen kann. Realisitsche Ziele. Das ist kein Wettbewerb. Ich trete gegen niemanden an, auch nicht die Zeit und erst recht nicht gegen meinen Koerper. Vielleicht hatte ich das zuletzt einfach verlernt.

Wenn alles morgen so klappt, wie ich mir das erhoffe, dann hab ich morgen wieder Internet und dann schreib ich vielleicht mal was `ueber die Landschaft. Wenn euch das interessiert. Fragt mich, wenn ihr was wissen wollt.
Ach ja, der Titel dieses Eintrags ist natuerlich ein bisschen ironisch gemeint.
Bis zum naechsten Mal

Bon Camino!

2 Kommentare 11.4.11 17:06, kommentieren